Mittwoch, 8. Mai 2013

6.Tag - Mittwoch


6.Tag – Mittwoch

Ja, ja - ich weiß! Auch mein Zimmer muss mal sauber gemacht werden. Aber bitte nicht, wenn ich gerade verschwitzt vom Walking komme; oder wenn ich gerade eine kleine Pause habe und auch bitte nicht, wenn ich mich nur schnell umziehen muss... Kann man nicht die Putzzeiten mit dem „Trainingsplan“ abstimmen? Wahrscheinlich nicht.
Nachdem ich während der ersten vier Tage aufmerksam die diversen Wagen auf dem Gang beobachtet habe, um einen „Putzrhythmus“ zu erkennen, aber niemand meinen Mülleimer geleert und demnach auch mein Zimmer nicht geputzt hat, dachte ich schon nicht mehr darüber nach – es klappte gestern auch problemlos – die fleißigen Mädels waren da, als ich nicht da war – also perfekt! Und heute ??? Na mal sehen...

Pünktlich 06:30 Uhr stellte ich den noch stummen Wecker aus und freute mich, dass es erst um 08:15 Uhr losgeht und ich noch liegen bleiben kann. Schöööön!
Nach einem gemütlichen Frühstück lasse ich mir im Schwesternzimmer von einem - nicht deutsch sprechenden - jungen Arzt Blut abzapfen, stapfe dann wieder in den Keller zum „Funktionstraining einzeln n5“. Bin mal gespannt, was jetzt an mir trainiert wird. Pünktlich 08:30 Uhr geht die Tür auf und alle 9 vor dem Zimmer sitzenden Patienten stehen auf – einzeln??? Ich gehe mit – die Zimmernummer stimmt ja. Ich bekomme auch einen Platz samt Ergotherapeutin zugewiesen – also doch einzeln. Sie lässt mich mit Händen und Armen alles mögliche machen/zeigen und meint dann: „Das sieht alles sehr gut aus. Wenn Sie für die Einzeltherapie zu gut sind, dann nehmen wir das raus.“ Na das klingt doch gut – einmal, dass es gut aussieht und zum anderen: es bleibt mehr Zeit für Sport und Massagen ;-)
Ging fix...ich flitze zum Zimmer – Handtuch holen. 09:00 Uhr soll ich in Bäderabteilung sein: 4-Zellenbad. Das kenn ich, der Strom tut gut.
Der Eingang zur Bäderabteilung ist schnell gefunden – bis zu der Stelle war ich bei der Einweisung noch dabei. Hier muss man wissen, dass der Türöffner an der gegenüberliegenden Wand ist. Bloß nicht die eigentliche Klinke anfassen – da macht man was kaputt...und - man muss nicht warten, sondern soll die Tür öffnen und gleich rein in die Abteilung. Gut zu wissen! Also rein... Ich werde auch gleich nett begrüßt und gefragt, ob ich die Massage, die eigentlich für Nachmittag geplant war, gleich mit haben will. Ich muss erst um 10:00 Uhr zur Visite wieder im Zimmer sein – also gerne. Ich packe mich auf die Liege und die Masseurin findet auch sofort die schmerzenden Stellen und meint, dass sie da mächtig zu tun hat. Ach nee – warum liege ich hier?
Nein – sie ist wirklich nett und macht das richtig gut – wenn es auch mächtig schmerzt! Danach stecke ich meine Gliedmaßen in die dafür vorgesehenen Wasserbecken und der Strom kann fließen. Es kribbelt angenehm. 10 min lang lausche ich den Gesprächen der beiden Bäderabteilungsmitarbeiterinnen, die gerade hinterm Vorhang Pause machen. Es wird der Kuchen ausgewertet; „Der ist nicht vom Bäcker hier vorne; den kann man ja keinem anbieten.“ Die Brötchen für ein geplantes Frühstück werden auch woanders besorgt. Da sind sie zwar etwas teurer, schmecken aber wenigstens. Und ein neues Pärchen im Klinikgelände gibt es auch – die heiraten bald – so,so! J Schnell sind die 10 Minuten um, der Wecker piept, ich trockne alles ab, nehme meine Mappe mit den Plänen und gehe Richtung Zimmer – natürlich wie immer mit einem kurzen Blick in das Postfach – könnte ja eine Planänderung drin sein... Wann kommt hier eigentlich immer die Post? ;-) Ich gehe an der „Wasserquelle“ vorbei und bewaffne mit wieder mit einem Tetrapack stillem Wasser – schmeckt leider überhaupt nicht!
Im Gang steht der „Putzwagen“. Ich muss mich nicht umziehen, hab mein Bett gemacht und aufgeräumt – und soll im Zimmer auf die Visite warten. Also wenn die Mädels rein wollen – kein Problem. Aber Sie wollen nicht – jetzt nicht! Erst kommt der Arzt – bzw. der OA und die Stationsärztin und eine Schwester, die den Wagen schiebt. Heute fragt keiner, ob er rein kann – heute schieben sie sich gleich zu dritt und samt Wagen rein. Die Visite dauert ca. 1,5 min – es ist aber ja auch schon alles gesagt. Dem OA erscheint mein Plan recht voll, was ich bestätige – und dabei bleibt’s dann auch. Na ja – gibt ja bestimmt bald wieder einen neuen.
Die Mädels wollen immer noch nicht rein.
Bis 11:00 Uhr ist noch ein wenig Zeit. Ich hole mir Tee, schaue ins Postfach und steige in die Walkingsachen. Ich muss zwar vorher noch zur „Feinmotorikgruppe“, aber danach geht es nahtlos weiter – da nutze ich die Zeit jetzt.
Jetzt könnten sie putzen - ich bin lange nicht da!
Die Feinmotorikgruppe besteht aus drei Männern (geschätzt 55, 60 und 70 Jahre alt) und mir. Zu viert sitzen wir um einen Tisch herum und erhalten jeder eine Plastikbüchse mit rosafarbener Knete, die wir erst kneten, dann rollen und dann mit den einzelnen Fingern zerdrücken. Es ist witzig die Herren mit der rosa-Knete zu beobachten. Etwas hilflos zieht der eine die Knetefäden unter der Tischkante hervor, der andere fragt nach jeder Fingerübung, welchen Finger er jetzt nehmen soll. „Immer einen nach dem anderen!“ „Jetzt legen Sie bitte alle 8 Murmeln auf die Knete und rollen alles zusammen zu einem Ball.“ Machen wir. Und nun? „Jetzt holen Sie die Murmeln wieder raus.“ Okay. Die Männer finden das sinnlos – ich nicht. Ich hab morgen bestimmt Muskelkater in den Fingern und schon beim Kneten hatte ich Angst, dass ich heute Abend die Tasten auf dem Laptop nicht bedienen kann! Die Knete war nämlich echt zerrig! ;-)
Ich ziehe alles in die Breite, finde schnell die Murmeln, „peusele“ sie fix raus, schaue auf die Uhr – 11:27 Uhr – und verabschiede mich schnell: „Ich muss zum Walking!“ Fix unterschreiben und dann los. Die Sporttherapeutin wartet schon. Ich frage: „Wo ist der Rest der Gruppe?“ „Es gibt keinen Rest. Wir gehen allein.“ Okay! Ich wollte schon immer mal einen Personal-Trainer haben. ;-)
Wir marschieren sehr zügig in Richtung Liepnitzsee und unterhalten uns dabei 40 Minuten lang richtig gut. Hinterher sagt meine Pulsuhr zwar nur 245 verbrauchte kcal an – davon aber 55% FAT – na das ist doch mal was!
Gut durchgeschwitzt (draußen ist übrigens wieder herrlicher Sonnenschein!) erreiche ich mein Zimmer und dusche ausgiebig – danach muss ich mich wieder sputen – es gibt nur bis 13:00 Uhr Essen! Putengeschnetzeltes mit VOLLKORNreis – auch gut.
Und jetzt ist Pause bis 15:30 Uhr! Ich vertiefe mich wieder in McCourts Biographie und freue mich, dass ich im jetzt und hier lebe und nicht in Irland in den 40-er Jahren des letzten Jahrhunderts! So richtig entspannt bin ich aber dennoch nicht, schaue immer wieder auf die Uhr, hole mir einen Automatenkaffee (auf dem Weg dorthin sind die Postfächer) und stelle mir schließlich den Wecker auf 15:15 Uhr damit ich nicht verpasse mir die Badesachen anzuziehen und zur Neuroschwimmgruppe zu gehen.
Dann werde ich auch ruhiger, lasse mir die Sonne auf die Beine scheinen, höre dem Vogelzwitschern zu und genieße...
:-D
Der Wecker reißt mich dann raus und ich trabe im Bademantel zum Schwimmbad, setze mich davor hin und warte. Keiner kommt. Na ich bin auch fünf Minuten zu früh.
Dann kommt der Therapeut, nimmt mich mit rein und schickt mich ins Wasser. „Kommt keiner mehr?“ „Nö. Wir sind allein.“ Okay. Schon der zweite Personaltrainer für mich – welch ein Luxus! ;-)
Er scheucht mich ganz schön durch das Wasser und ich komme an meine Grenzen. Gut so. Nach einer halben Stunde machen wir Schluss und ich kann gleich zum Freizeitschwimmen in der Halle bleiben. Ich weiß nicht genau, wie lang die Bahnen sind, ich brauche 10 Züge für eine Länge – das lohnt schon zum Schwimmen. Ich ziehe nochmal 40 Minuten durch – dann hab ich „Schrumpelhände“ und gebe auf. Feierabend! Gemächlich gehe ich ins Zimmer, spüle das chlorreiche Wasser ab, aklimatisiere mich und überlege, was ich mit dem Abend anfange. Ich hab nichts mehr zu trinken und zu naschen und beschließe doch noch mal zum Kiosk zugehen und meinen Bestand aufzustocken – morgen hat ja nix auf!
Als ich aus dem Kiosk rauskomme schüttet es aus Kannen. Ich stelle mich unter und dann sch... mir so ein Vogel mitten auf die Brust! Na toll! Es regnet nicht lange, ich wische den Vogeldreck mit dem Taschentuch ein wenig weg, Hänge die Tasche drüber und laufe zurück.
Heute wieder Weichei hole ich mir die Spritze, muss mich legen ;-( und bin 18:35 Uhr dann mit zwei anderen Frauen die letzte zum Essen im Speiseraum. Na wenigstens ist nicht so ein Lärm. ;-) Und ich esse nicht so viel, weil es doch recht einsam ist.

Tja und jetzt sitze ich wieder auf meinem Bett, texte euch voll und genieße mein kleines Bier und einen halben Twix... lecker Dessert!
Und morgen ist frei! Feiertag!
Bis dahin...



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