6.Tag – Mittwoch
Ja, ja - ich weiß! Auch mein Zimmer muss mal sauber gemacht
werden. Aber bitte nicht, wenn ich gerade verschwitzt vom Walking komme; oder wenn
ich gerade eine kleine Pause habe und auch bitte nicht, wenn ich mich nur
schnell umziehen muss... Kann man nicht die Putzzeiten mit dem „Trainingsplan“
abstimmen? Wahrscheinlich nicht.
Nachdem ich während der ersten vier Tage aufmerksam die
diversen Wagen auf dem Gang beobachtet habe, um einen „Putzrhythmus“ zu
erkennen, aber niemand meinen Mülleimer geleert und demnach auch mein Zimmer
nicht geputzt hat, dachte ich schon nicht mehr darüber nach – es klappte
gestern auch problemlos – die fleißigen Mädels waren da, als ich nicht da war –
also perfekt! Und heute ??? Na mal sehen...
Pünktlich 06:30 Uhr stellte ich den noch stummen Wecker aus
und freute mich, dass es erst um 08:15 Uhr losgeht und ich noch liegen bleiben
kann. Schöööön!
Nach einem gemütlichen Frühstück lasse ich mir im
Schwesternzimmer von einem - nicht deutsch sprechenden - jungen Arzt Blut abzapfen,
stapfe dann wieder in den Keller zum „Funktionstraining einzeln n5“. Bin mal
gespannt, was jetzt an mir trainiert wird. Pünktlich 08:30 Uhr geht die Tür auf
und alle 9 vor dem Zimmer sitzenden Patienten stehen auf – einzeln??? Ich gehe
mit – die Zimmernummer stimmt ja. Ich bekomme auch einen Platz samt
Ergotherapeutin zugewiesen – also doch einzeln. Sie lässt mich mit Händen und
Armen alles mögliche machen/zeigen und meint dann: „Das sieht alles sehr gut
aus. Wenn Sie für die Einzeltherapie zu gut sind, dann nehmen wir das raus.“ Na
das klingt doch gut – einmal, dass es gut aussieht und zum anderen: es bleibt
mehr Zeit für Sport und Massagen ;-)
Ging fix...ich flitze zum Zimmer – Handtuch holen. 09:00 Uhr
soll ich in Bäderabteilung sein: 4-Zellenbad. Das kenn ich, der Strom tut gut.
Der Eingang zur Bäderabteilung ist schnell gefunden – bis zu
der Stelle war ich bei der Einweisung noch dabei. Hier muss man wissen, dass
der Türöffner an der gegenüberliegenden Wand ist. Bloß nicht die eigentliche
Klinke anfassen – da macht man was kaputt...und - man muss nicht warten, sondern
soll die Tür öffnen und gleich rein in die Abteilung. Gut zu wissen! Also
rein... Ich werde auch gleich nett begrüßt und gefragt, ob ich die Massage, die
eigentlich für Nachmittag geplant war, gleich mit haben will. Ich muss erst um
10:00 Uhr zur Visite wieder im Zimmer sein – also gerne. Ich packe mich auf die
Liege und die Masseurin findet auch sofort die schmerzenden Stellen und meint,
dass sie da mächtig zu tun hat. Ach nee – warum liege ich hier?
Nein – sie ist wirklich nett und macht das richtig gut –
wenn es auch mächtig schmerzt! Danach stecke ich meine Gliedmaßen in die dafür
vorgesehenen Wasserbecken und der Strom kann fließen. Es kribbelt angenehm. 10
min lang lausche ich den Gesprächen der beiden Bäderabteilungsmitarbeiterinnen,
die gerade hinterm Vorhang Pause machen. Es wird der Kuchen ausgewertet; „Der
ist nicht vom Bäcker hier vorne; den kann man ja keinem anbieten.“ Die Brötchen
für ein geplantes Frühstück werden auch woanders besorgt. Da sind sie zwar
etwas teurer, schmecken aber wenigstens. Und ein neues Pärchen im Klinikgelände
gibt es auch – die heiraten bald – so,so! J
Schnell sind die 10 Minuten um, der Wecker piept, ich trockne alles ab,
nehme meine Mappe mit den Plänen und gehe Richtung Zimmer – natürlich wie immer
mit einem kurzen Blick in das Postfach – könnte ja eine Planänderung drin
sein... Wann kommt hier eigentlich immer die Post? ;-) Ich gehe an der
„Wasserquelle“ vorbei und bewaffne mit wieder mit einem Tetrapack stillem
Wasser – schmeckt leider überhaupt nicht!
Im Gang steht der „Putzwagen“. Ich muss mich nicht umziehen,
hab mein Bett gemacht und aufgeräumt – und soll im Zimmer auf die Visite
warten. Also wenn die Mädels rein wollen – kein Problem. Aber Sie wollen nicht
– jetzt nicht! Erst kommt der Arzt – bzw. der OA und die Stationsärztin und
eine Schwester, die den Wagen schiebt. Heute fragt keiner, ob er rein kann –
heute schieben sie sich gleich zu dritt und samt Wagen rein. Die Visite dauert
ca. 1,5 min – es ist aber ja auch schon alles gesagt. Dem OA erscheint mein
Plan recht voll, was ich bestätige – und dabei bleibt’s dann auch. Na ja – gibt
ja bestimmt bald wieder einen neuen.
Die Mädels wollen immer noch nicht rein.
Bis 11:00 Uhr ist noch ein wenig Zeit. Ich hole mir Tee,
schaue ins Postfach und steige in die Walkingsachen. Ich muss zwar vorher noch
zur „Feinmotorikgruppe“, aber danach geht es nahtlos weiter – da nutze ich die
Zeit jetzt.
Jetzt könnten sie putzen - ich bin lange nicht da!
Die Feinmotorikgruppe besteht aus drei Männern (geschätzt
55, 60 und 70 Jahre alt) und mir. Zu viert sitzen wir um einen Tisch herum und
erhalten jeder eine Plastikbüchse mit rosafarbener Knete, die wir erst kneten,
dann rollen und dann mit den einzelnen Fingern zerdrücken. Es ist witzig die Herren mit
der rosa-Knete zu beobachten. Etwas hilflos zieht der eine die Knetefäden unter
der Tischkante hervor, der andere fragt nach jeder Fingerübung, welchen Finger
er jetzt nehmen soll. „Immer einen nach dem anderen!“ „Jetzt legen Sie bitte
alle 8 Murmeln auf die Knete und rollen alles zusammen zu einem Ball.“ Machen
wir. Und nun? „Jetzt holen Sie die Murmeln wieder raus.“ Okay. Die Männer
finden das sinnlos – ich nicht. Ich hab morgen bestimmt Muskelkater in den
Fingern und schon beim Kneten hatte ich Angst, dass ich heute Abend die Tasten
auf dem Laptop nicht bedienen kann! Die Knete war nämlich echt zerrig! ;-)
Ich ziehe alles in die Breite, finde schnell die Murmeln,
„peusele“ sie fix raus, schaue auf die Uhr – 11:27 Uhr – und verabschiede mich
schnell: „Ich muss zum Walking!“ Fix unterschreiben und dann los. Die Sporttherapeutin
wartet schon. Ich frage: „Wo ist der Rest der Gruppe?“ „Es gibt keinen Rest.
Wir gehen allein.“ Okay! Ich wollte schon immer mal einen Personal-Trainer
haben. ;-)
Wir marschieren sehr zügig in Richtung Liepnitzsee und
unterhalten uns dabei 40 Minuten lang richtig gut. Hinterher sagt meine Pulsuhr
zwar nur 245 verbrauchte kcal an – davon aber 55% FAT – na das ist doch mal
was!
Gut durchgeschwitzt (draußen ist übrigens wieder herrlicher
Sonnenschein!) erreiche ich mein Zimmer und dusche ausgiebig – danach muss ich
mich wieder sputen – es gibt nur bis 13:00 Uhr Essen! Putengeschnetzeltes mit
VOLLKORNreis – auch gut.
Und jetzt ist Pause bis 15:30 Uhr! Ich vertiefe mich wieder
in McCourts Biographie und freue mich, dass ich im jetzt und hier lebe und nicht
in Irland in den 40-er Jahren des letzten Jahrhunderts! So richtig entspannt
bin ich aber dennoch nicht, schaue immer wieder auf die Uhr, hole mir einen
Automatenkaffee (auf dem Weg dorthin sind die Postfächer) und stelle mir
schließlich den Wecker auf 15:15 Uhr damit ich nicht verpasse mir die
Badesachen anzuziehen und zur Neuroschwimmgruppe zu gehen.
Dann werde ich auch ruhiger, lasse mir die Sonne auf die
Beine scheinen, höre dem Vogelzwitschern zu und genieße...
:-D
Der Wecker reißt mich dann raus und ich trabe im Bademantel
zum Schwimmbad, setze mich davor hin und warte. Keiner kommt. Na ich bin auch
fünf Minuten zu früh.
Dann kommt der Therapeut, nimmt mich mit rein und schickt
mich ins Wasser. „Kommt keiner mehr?“ „Nö. Wir sind allein.“ Okay. Schon der
zweite Personaltrainer für mich – welch ein Luxus! ;-)
Er scheucht mich ganz schön durch das Wasser und ich komme an meine Grenzen. Gut so. Nach einer halben Stunde machen wir Schluss und
ich kann gleich zum Freizeitschwimmen in der Halle bleiben. Ich weiß nicht
genau, wie lang die Bahnen sind, ich brauche 10 Züge für eine Länge – das lohnt
schon zum Schwimmen. Ich ziehe nochmal 40 Minuten durch – dann hab ich
„Schrumpelhände“ und gebe auf. Feierabend! Gemächlich gehe ich ins Zimmer,
spüle das chlorreiche Wasser ab, aklimatisiere mich und überlege, was ich mit
dem Abend anfange. Ich hab nichts mehr zu trinken und zu naschen und beschließe
doch noch mal zum Kiosk zugehen und meinen Bestand aufzustocken – morgen hat ja
nix auf!
Als ich aus dem Kiosk rauskomme schüttet es aus Kannen. Ich
stelle mich unter und dann sch... mir so ein Vogel mitten auf die Brust! Na
toll! Es regnet nicht lange, ich wische den Vogeldreck mit dem Taschentuch ein
wenig weg, Hänge die Tasche drüber und laufe zurück.
Heute wieder Weichei hole ich mir die Spritze, muss mich
legen ;-( und bin 18:35 Uhr dann mit zwei anderen Frauen die letzte zum Essen
im Speiseraum. Na wenigstens ist nicht so ein Lärm. ;-) Und ich esse nicht so
viel, weil es doch recht einsam ist.
Tja und jetzt sitze ich wieder auf meinem Bett, texte euch voll und genieße mein kleines Bier und einen halben Twix... lecker Dessert!
Und morgen ist frei! Feiertag!
Bis dahin...
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